Authentisch sein: Welche Rollen spielst du wirklich?
Authentisch sein klingt so einfach, doch vielen fällt es sehr schwer, sich selbst in allen Lebenssituationen treu zu bleiben. In vielen Situationen verhalten wir uns anders, als wir eigentlich möchten. Im Beruf, in der Familie, in Beziehungen: Überall spielen wir Rollen, doch manche sind aufgesetzt und passen nicht (mehr) zu uns. Diese fühlen sich meist eng an.
Kennst du das Gefühl, dass du manchmal nicht ganz du selbst bist?
Was bedeutet authentisch sein?
– Du handelst im Einklang mit deinen Werten.
– Du sagst nicht automatisch Ja, wenn du Nein meinst.
– Du passt dich nicht dauerhaft an, um dazuzugehören.
– Du fühlst dich innerlich stimmig – auch wenn es unbequem wird.
Welche Rollen spielst du?
Immer wieder, wenn ich bei meinen Eltern bin, merke ich, dass ich immer noch die kleine Tochter bin. Dabei bin ich jetzt schon 51. Manchmal ist das schön, einen Ort zu haben, wo ich nochmal klein und schutzbedürftig sein kann. In anderen Situationen merke ich, dass ich mich bevormundet fühle, wenn meine Eltern mir etwas vorschlagen, was ich anders machen sollte. Dabei meinen sie es nur lieb. Trotzdem fühlt sich die 15-Jährige in mir dann total getriggert und will auf die Barrikaden. Du siehst, eine Rolle ist schneller aktiviert, als ich denken kann.
Ich fühle mich fast wie damals, mit diesem Gefühl im Magen, dass ich nicht gut genug bin und etwas falsch gemacht habe. Zum Glück ist mein Verhältnis zu meinen Eltern mittlerweile eins auf Augenhöhe.
Die Rollen in unserem Leben
Wir alle spielen in unserem Leben zahlreiche Rollen. Je nach den Menschen, mit denen wir gerade zusammen sind, reagieren wir ziemlich unterschiedlich. Fast so, als ob wir dann unterschiedliche Hüte aufsetzen würden. Wir ziehen verschiedene Hüte auf, wenn wir zum Beispiel bei unseren Eltern sind, bei Freunden, auf der Arbeit …
Auf der Arbeit oder als Coach bin ich anders, als wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, oder Musik mache. Dennoch bin ich immer Stephanie, mit all ihren Talenten, Macken und Kanten.
Manche Rollen passen nicht mehr
Je nachdem spielen wir einige Rollen, die uns gar nicht mehr gefallen, beziehungsweise die nicht (mehr) wirklich zu uns passen.
Wir zeigen uns auf der Arbeit zum Beispiel weniger kompetent, als wir eigentlich sind, oder schrecken im entscheidenden Moment zurück. Dann übernehmen alte Muster die Führung und wir machen uns ungewollt kleiner, als wir sind.
Vielleicht sind wir auch immer die Rücksichtsvolle oder die Verantwortungsbewusste, obwohl wir auch mal Lust haben, über die Stränge zu schlagen.
In welcher Rolle fühlst du dich besonders wohl, und wo fühlst du dich besonders angepasst?
Warum wir überhaupt Rollen entwickeln
Es ist ganz normal, dass wir verschiedene Rollen spielen. Wenn ich mit Freunden rausgehe, verhalte ich mich immerhin anders als auf der Arbeit. Das ist ganz normal, da jede Situation ein anderes Setting hat und andere Erwartungen an mich gestellt werden bzw. ich an mich stelle.
Rollen entstehen aus Anpassung, nicht aus Schwäche
Einige Rollen entstehen als Kind einfach aus unserem Charakter. Der eine ist fürsorglicher, der andere eher draufgängerisch, der eine eher ernst und der andere liebt es, Scherze zu machen.
Andere Rollen nehmen wir ein, weil wir als Kind sehr genau spüren, was von uns erwartet wird. Und für jedes Kind ist Zugehörigkeit zu den Eltern überlebenswichtig. Es ist immerhin von diesen abhängig. Daher waren manche Rollen, zumindest gefühlt, überlebenswichtig.
Diese Rollen entstehen dann oft gleichzeitig mit Blockaden und Glaubenssätzen und setzen sich tief in unserem unbewussten Denken fest.
Wenn Anpassung zur Gewohnheit wird
Wie du siehst, sind manche dieser Rollen uralt und wir funktionieren darin hervorragend. Da wir diese Rollen jahrelang ausgefüllt haben, sind sie oft zur Gewohnheit geworden und wir hinterfragen nicht mehr, ob sie noch zu uns passen oder nicht.
Bei den Rollen, die nicht mehr passen, entsteht jedoch mit der Zeit eine leise innere Spannung. „So bin ich eben“ wird zur Selbstbeschreibung, obwohl diese Rolle ursprünglich aus Anpassung übernommen wurde. Und irgendwann weißt du gar nicht mehr, wer du ohne diese Rolle warst.
Es kann sogar sein, dass sie unser „Sein“ überdeckt und wir den Kontakt zu uns und unseren Bedürfnissen verlieren. Oft äußert sich das dann in Unwohlsein, Stress oder körperlichen Verspannungen.
Rollen sind also nichts Falsches. Problematisch werden sie erst, wenn sie nicht mehr zu uns passen.

Was bedeutet authentisch sein wirklich?
Authentisch sein bedeutet, dass du nach deiner eigenen Persönlichkeit handelst. Das heißt, dass du dich nicht verstellst, in allem, was du tust. Du lebst deine Werte, äußerst frei deine Gedanken und Überzeugungen und du lebst deine Emotionen und Bedürfnisse …
Authentisch sein bedeutet auch, dass du dich nicht verstecken musst für deine kleinen (und großen) Fehler.
Authentisch sein ist auch kein Freifahrtschein für schlechtes Benehmen. Wer von anderen erwartet, so akzeptiert zu werden, wie er ist, muss auch die Stärke aufbringen, andere so zu akzeptieren.
Oft wird auch angenommen, dass authentisch sein bedeutet, laut zu sein. Doch viele Extrovertierte sind nicht authentisch und viele introvertierte Menschen können durchaus authentisch sein.
Letztendlich ist Authentizität kein Dauerzustand, sondern ein Prozess. Er entsteht durch innere Kongruenz. Um seine Echtheit zu leben, braucht man viel Mut, aber vor allem innere Sicherheit.
Authentizität beginnt nicht mit Lautstärke, sondern mit innerer Ehrlichkeit.
Woran du erkennst, dass eine Rolle nicht mehr zu dir passt
Wir spielen im Leben viele Rollen und einige gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind aufgebaut auf unserer Persönlichkeit und durchdrungen von der Art, wie wir sind. Andere Rollen haben wir aus verschiedenen Gründen übernommen, doch letztendlich passen sie nicht wirklich zu unserem Wesen. Es gibt einige deutliche Anzeichen, dass eine Rolle nicht mehr zu dir passt.
Dein Körper sendet Signale
Wenn eine Rolle nicht mehr passt, dann fühlst du das körperlich als:
- Engegefühl
- Müdigkeit nach bestimmten Situationen
- Gereiztheit
- Innere Unruhe
- Kopfkino danach („Warum habe ich nichts gesagt?“)
Du sagst Ja – und fühlst innerlich Nein
Es kommt auch vor, dass du eher kognitiv merkst, dass eine Rolle nicht mehr passt. Hier kannst du deine Gedanken beobachten,
- Erklärst du dich zu viel?
- Relativierst du deine Bedürfnisse?
- Passt du deine Meinung an?
- Fühlst du dich nach Gesprächen innerlich leer?
- Spielst du Stärke, obwohl du unsicher bist?
Was hast du von authentisch sein?
Authentisch leben hat viele Vorteile. Du wirst immer noch in verschiedenen Situationen anders reagieren, einfach, weil es der Umstand von dir verlangt. Doch diese Rollen passen zu deiner Persönlichkeit und fühlen sich dementsprechend wahr und echt an.
Im Folgenden nenne ich dir einige klare Vorteile, so weit wie möglich authentisch zu sein.
Du verbrauchst weniger Energie
Du kannst besser mit deiner Kraft haushalten, denn du wirst weniger Zeit verschwenden mit diesen inneren Rechtfertigungsdialogen:
- „Warum hast du nicht reagiert?“
- „Was hast du dir dabei gedacht?“,
- „Warum hast du nichts gesagt?“,
- „Du wolltest doch eigentlich …“
Einige dieser Dialoge kommen mir aus der Vergangenheit auch noch sehr bekannt vor.
Du brauchst auch weniger Energie, weil du eine Entscheidung triffst und diese ausführst, anstatt lange zu zögern. Das heißt nicht, dass es nicht eventuell eine falsche Entscheidung sein kann und du anschließend alles wieder änderst. Aber irren ist menschlich.
Der Effekt hiervon ist mehr Ruhe im Körper, weniger Grübeln und viel weniger Selbstzweifel.
Deine Beziehungen werden ehrlicher
Auch auf Beziehungsebene wird das Leben leichter. Andere Menschen wissen, was sie an dir haben. Menschen, die nur dein aufgesetztes Ich mögen, werden deine Nähe nicht mehr suchen. Stattdessen wirst du immer mehr Menschen in deinen Bekannten- und Freundeskreis ziehen, die dich einfach so mögen, wie du bist.
Gleichzeitig wird die Qualität von Konflikten anders. Du kannst klarer zu deiner Meinung stehen und dadurch anders streiten. Meistens sind richtige Streits unnötig, da der andere weiß, wo deine Grenzen sind. Es werden eher Meinungsverschiedenheiten auf Augenhöhe, und die sind im menschlichen Miteinander völlig normal.
Je authentischer du bist, umso sicherer bist du auch, was deinen eigenen Wert betrifft. Dadurch fühlst du dich weniger abhängig von der Zustimmung deiner Mitmenschen. Denn du weißt: So wie du bist, bist du genau richtig, egal, was andere denken. Das erzeugt Respekt von anderen, und gleichzeitig wächst dein Respekt vor dir selbst.
So wirst du in 5 Schritten authentisch

Alles in allem lohnt es sich an seiner Authentizität Schritt für Schritt zu arbeiten. Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Die folgende Anleitung hilft dir zu sehen, wo du aktuell stehst, und hilft dir Klarheit zu bekommen, was du ändern kannst.
- Schreibe deine verschiedenen Rollen auf
Nimm dir mal ein Blatt Papier. Dann schreibst du erstmal auf, welche Hüte du alles aufhast: im Beruf, in deiner Beziehung, in deiner Familie, in deiner Gesundheit, in deiner Freizeit … Dann kannst du mal schauen, wie groß diese Hüte sich anfühlen.
Die folgenden Fragen helfen dir, deine Hüte bewusst zu reflektieren.
· Sind die Rollen gut so?
· Oder ist der Hut dir eigentlich zu groß oder zu klein?
· Welche Rollen hast du bewusst gewählt?
· Welche wurden dir zugeschrieben?
· Welche kosten dich Kraft?
· Welche nähren dich? - Wie viel Raum nimmt jeder Hut ein?
Wie viel Zeit brauchst du pro Woche dafür, um diesen Hut auszufüllen? Wenn du das jetzt zusammenrechnest, ist das eher ein kleines Hütchen oder ein riesiger Sombrero.
Hier einige Fragen zur Vertiefung:
· Spiegelt dein Zeitaufwand deine Prioritäten?
· Welche Rolle dominiert dein Leben?
· Sind das Hüte, die zu deiner Persönlichkeit passen?
· Wo bleibt kein Raum für dich? - Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
Dann schau dir die Hüte mal an: Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
Verhältst du dich überall so, wie du gerne möchtest, wie es deiner Persönlichkeit entspricht?
Hier kannst du dir gerne die folgenden Fragen stellen:
· Wo fühlst du dich am meisten du selbst?
· Welcher Hut schützt dich?
· Welche Rolle engt dich ein?
· Wo bist du stolz auf dich?
· Wo spielst du nur?
· Was würdest du anders machen, wenn du dich sicherer fühlen würdest? - Gibt es etwas, was du ändern möchtest?
Je wohler du dich mit den verschiedenen Rollen fühlst, umso besser fühlst du dich auch selbst. Die große Kunst ist es, authentisch zu bleiben in all diesen Rollen.
Beginne bei den Rollen, die nicht mehr passen, nicht damit, dich zu verändern, sondern fange an, dich wieder bewusst wahrzunehmen.
Was wäre eventuell eine winzige Änderung in die richtige Richtung? Gibt es Momente, wo du klarer sprechen könntest? Höre hier auf dein authentisches Ich.
Dabei brauchst du nicht radikal dein ganzes Leben umzuwerfen. Am Anfang sind kleine Schritte sinnvoll. - Setze es um – in kleinen Schritten
Dabei wirst du vielleicht deine Komfortzone etwas verlassen müssen. Höre hier auf deinen Bauch, was möglich ist und was nicht.
Eine Kündigung oder eine Scheidung sollten sehr gut überlegt sein. Meistens sind aber gar nicht so drastische Schritte nötig, um die Balance zwischen deinen Rollen auszugleichen. Hier geht Sicherheit auf jeden Fall erstmal vor Radikalität. Oft reichen schon kleine Stellschrauben, um sich wieder echter zu fühlen.
Du darfst auch ruhig die Rollen auf verschiedene Art testen, bevor du dich entscheidest, was zu dir passt. Wie ein guter Schauspieler erstmal verschiedene Varianten einer Rolle übt, bevor er sich für eine Art entscheidet, wie er diesen Charakter spielen möchte.
Wichtig ist auch das Bewusstsein, dass Authentizität mit der Erfahrung wächst. Es darf in deinem Tempo gehen, denn das ist genau richtig.
Fang einfach an mit
· Etwas mehr Zeit für dich selbst.
· Etwas klarere Grenzen, was du wohl möchtest.
· Etwas mehr von den Aktivitäten, die dir gut tun …
H2: Authentisch sein heißt nicht, alles umzuwerfen
Eh du jetzt losstürmst und alles auf einmal änderst. Authentisch werden ist kein Sprint. Es ist eher eine Wanderung oder ein Spaziergang. Der wichtigste erste Schritt ist Bewusstwerdung, wo du dich verstellst. Diesen Schritt bist du soeben gegangen, wenn du dir Zeit genommen hast für die obigen Schritte.
Kleine Verschiebungen verändern viel
Jetzt beginnst du am besten mit kleinen Schritten,
- Ein ehrlicher Satz.
- Eine klare Grenze.
- Ein Nein ohne Rechtfertigung.
- Eine Pause vor automatischer Anpassung.
Diese kannst du dann immer mehr ausbauen. Du wirst merken, wie sich dein Gefühl in den einzelnen Lebenssituationen mit der Zeit immer mehr ändert und sich alles immer mehr nach dir anfühlt.
Sicherheit kommt vor Radikalität
Ein weiterer Grund für kleine Schritte ist, dass dein Nervensystem Stabilität braucht. Wenn du alles auf einmal änderst, wirst du wahrscheinlich erstmal total hibbelig werden und danach in ein großes Loch fallen. Außerdem werden deine Lieben ziemlich bombardiert werden mit deiner neuen Version.
Manche neue Rollen müssen auch erstmal ausprobiert werden. Wenn du seit Jahrzehnten immer auf eine bestimmte Art reagiert hast, dann musst du erstmal für dich selbst testen, was sich für dich richtig anfühlt, und das darf Zeit brauchen. Anschließend kannst du das neue Verhalten langsam in den Alltag integrieren.
Denk dran, du musst dich nicht beweisen. Echtheit wächst gemeinsam mit deinem Selbstvertrauen.
Abschluss – Welche Rolle darfst du loslassen?
Manche Rollen kannst du einfach so loslassen, ein bewusster Entschluss reicht aus. Bei anderen wirst du etwas mehr Zeit brauchen, denn sie haben sich dicht mit deinem Verhaltensmuster verwoben. Außerdem wirst du vielleicht von manchen komische Reaktionen bekommen. Das ist normal, denn sie sind ja gewohnt, dass du immer so reagierst. Deshalb braucht es manchmal auch ein dickes Fell und mehrere Anläufe, bis du dich an die neue Rolle gewöhnt hast und die anderen dich so akzeptieren, wie du bist.
Manchmal reicht Bewusstheit und manchmal braucht es einen geschützten Raum, um alte Rollen wirklich loszulassen. Denn immerhin sind sie seit langer Zeit in dir verankert.
Ich freue mich auf dich


Entdecke, warum du dich im entscheidenden Moment selbst zurückhältst, und wie du beginnst, bei dir zu bleiben.
Mission: Ich ist ein klarer Einstieg für Frauen, die sich nicht länger selbst im Weg stehen wollen.

ÜBER MICH:
ÜBER MICH: Meine Mission ist es feinfühlige Frauen dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial wirklich zu leben. In meiner Arbeit verbinde ich klare innere Selbstführung mit kreativen Prozessen, Talentkompass, Human Design und fundiertem neuropsychologischem Wissen. So entsteht ein Raum, in dem Erkenntnis nicht Theorie bleibt, sondern im Alltag spürbar und wirksam wird. Ausdruck, Klarheit und nachhaltiges inneres Wachstum stehen dabei im Mittelpunkt.
Ich arbeite online sowie in meiner Praxis in Büllingen, Ostbelgien. Mehr über mich erfährst du hier.


Liebe Stephanie,
ich habe deinen Artikel mit großem Interesse gelesen. Es ist so wahr, dass unser Körper uns Signale sendet, wenn etwas nicht stimmt. Wir müssen nur lernen, diese Signale richtig zu deuten. Das ist die Kunst und der erste Schritt zu einem authentischen Leben.
Ich schaue gern auf deiner Website vorbei und freue mich auf das nächste Mal.
Herzliche Grüße,
Katrin