Immer nur gute Gefühle? Wie „High Vibes“ dich blockieren
„Ich will nur noch hoch schwingen.“
„Ich lasse negative Energien nicht mehr zu.“
„Ich entscheide mich für Freude.“
Diese Sätze findet man ständig – in spirituellen Kreisen, auf Social Media, in Selbsthilfebüchern…
Und sie klingen verheißungsvoll. Wer würde sich nicht gerne leicht, frei und erfolgreich fühlen?
Doch was, wenn gerade dieser ständige Versuch, sich gut zu fühlen, der wahre Grund dafür ist, dass du nicht in deine emotionale Kraft kommst?
Das Streben nach „High Vibes“ – eine moderne Falle?
Viele von uns haben gelernt, dass Emotionen wie Wut, Angst, Traurigkeit oder Scham problematisch sind.
Sie passen nicht ins Bild vom „positiven Mindset“, zur Spiritualität oder in eine Welt, in der man angeblich alles mit Dankbarkeit und Visualisierung lösen kann.
Außerdem wurden z.B. Gefühle von Wut, Hass, Eifersucht, vor allem bei Mädchen oft schon in der Kindheit unterdrückt. Manche Gefühle sind gesellschaftlich einfach unerwünscht.
Also unterdrücken wir sie. Oder wir versuchen sie zu „transformieren“, so wie es uns von manchen Coaches und esoterischen Heilern geraten wird. Wir wollen ja hoch schwingen, um in Resonanz mit Fülle und Glück zu sein. Denn das ist das höchste Ziel, oder?
Doch leider führt uns das nicht zu innerer Freiheit, sondern zu emotionaler Überforderung – oder innerer Leere. Meistens sind wir irgendwann total gefrustet, da die “negativen” Gefühle immer wieder durchkommen, egal wie hart wir an uns arbeiten. Ich weiß wie das ist, ich bin auch den schönen Versprechungen gefolgt, bis ich merkte, dass dies mich nur von meinem Weg abgebracht hat.
Das emotionale Paradox: Je mehr du Glück suchst, desto mehr leidest du
Die moderne Psychologie kennt dieses Phänomen längst:
Menschen, die ständig versuchen, sich gut zu fühlen, berichten im Schnitt von mehr Stress, mehr Selbstkritik und weniger Lebenszufriedenheit.
Warum?
Dieses ständige Hinterherjagen von „guten Gefühlen“ erzeugt ein Mangelgefühl.
Es entsteht ein inneres Signal: So wie ich mich jetzt gerade fühle, ist es falsch.
Und damit entsteht eine subtile, aber dauerhafte Ablehnung des Selbst.

Was sagt die Wissenschaft über Gefühle?
Die moderne Emotionsforschung (u.a. Lisa Feldman Barrett, Stephen Porges) zeigt:
- Gefühle sind körperliche Prozesse, die in Bruchteilen von Sekunden entstehen. Sie zeigen dir, dass da etwas ist, was du beachten sollst.
- Es gibt Lokgefühle, Belohnungsgefühle und Warngefühle.
- Sie sind konstruiert: Unser Gehirn interpretiert Reize und Erfahrungen basierend auf alten Prägungen. Gibst du einem Gefühl die Bedeutung: Keine Gefahr, wird es schnell wieder verschwinden. Aber dazu später mehr.
- Alle Emotionen haben einen Sinn. Auch die „unangenehmen“ und “ungewollten”.
Und: Kein Gefühl bleibt für immer, wenn du es nicht festhältst oder unterdrückst.
Gefühle vergehen normalerweise innerhalb von 90 Sekunden.
Gefühle entstehen im Limbischen System, was als Hauptaufgabe hat deine Existenz zu sichern. Wir haben es gemeinsam mit den Reptilien und seine Reaktionen sind nicht angepasst an die moderne Welt. Flucht, Kampf und Starre sind heute in den meisten Situationen kontraproduktiv. Außerdem schätzt unser Reptiliengehirn viele Situationen als Gefahr ein, die heutzutage gar nicht mehr gefährlich sind, wie zum Beispiel ein Gespräch mit dem Chef (es ist zumindest nicht lebensbedrohlich).
Der Sinn von Wut, Angst & Co.
Statt Gefühle in „gut“ und „schlecht“ einzuteilen, hilft ein neuer Blick:

Deine Gefühle sind Wegweiser. Sie machen dich nicht schwach, sondern sollen dir helfen die Welt zu verstehen. Ohne sie läufst du Gefahr, dich von dir selbst zu entfremden.
Warum das „Loslassen“ oft nicht funktioniert
Ein beliebter Coaching-Rat lautet:
„Umarme das Gefühl – und lass es dann los.“
Doch das funktioniert nur, wenn du das Gefühl wirklich vollständig zulässt, ohne es gleich „wegmachen zu wollen“.
Wenn du das Gefühl nur als Störung empfindest, dass dich von deinem „High Vibe“ abhält, spürt dein System das – und hält es fest. Zudem ist die unten beschriebene Methode effektiver.
Emotionen lassen sich nicht manipulieren. Doch du kannst sie aktiv bewerten, damit dich keine Gefühle mehr überwältigen, die eigentlich in die Kindheit oder andere vergangene Zeiten gehören.

Gefühle regulieren statt kontrollieren
Wie wir eben schon gehört haben, basieren Gefühle oft auf alten Prägungen. Vor allem Gefühle wie, ich bin es nicht wert. Ich werde nicht geliebt, ich muss alles richtig machen und viele mehr haben ihren Ursprung in der Kindheit. Doch sie sind keine absolute Wahrheit. Auch wenn du in einer Situation gerade keine Person vor dich hat, die dich liebt, es gibt andere, die dich wohl mögen. Außerdem darf jeder Fehler machen.
Deshalb ist es wichtig zu lernen, wie du mit den Gefühlen umgehen kannst, ohne dich von ihnen überrollen zu lassen:
- Spüre sie im Körper. Wo sitzt das Gefühl? Wie bewegt es sich?
- Benenne es. („Ich spüre Traurigkeit, Enge, Wut …“) – das aktiviert dein Frontalhirn und beruhigt dein Nervensystem. Das Frontalhirn ist außerdem für die rationale Bewertung zuständig.
- Stelle Fragen. Was will mir dieses Gefühl sagen? Welche Geschichte kommt mit ihm hoch? Ist diese Geschichte für die aktuelle Situation wichtig? Gibt es aktuell eine lebensbedrohliche Gefahr?
- Bei heftigen Emotionen kann es helfen in Bewegung zu bleiben. Gehe spazieren, tanze, male – Gefühle fließen durch Bewegung leichter und reagieren sich so leichter ab.
- Finde Co-Regulation. Mit jemandem reden, gehalten werden, Blickkontakt – all das hilft dem System, sich zu beruhigen.
Auf diese Art kannst du deine alten Ängste Stück für Stück an der heutigen Realität anpassen und du wirst nicht mehr von ihnen überrannt, in Situationen, wo sie nicht mehr förderlich sind.
Fazit: Du bist nicht hier, um dich immer gut zu fühlen –
du bist hier, um ganz zu fühlen
Wahre emotionale Freiheit bedeutet nicht, ständig in Freude zu sein.
Sie bedeutet: alle deine Gefühle anzuerkennen, ohne sie zu unterdrücken oder zu vergöttern.
Freude, die entsteht, wenn du durch deine Angst gegangen bist, ist tiefer.
Frieden, den du nach Wut gefunden hast, ist echter.
Selbstliebe, die auch deine dunklen Seiten kennt, ist stabiler.
Und genau das ist gelebte Selbstverwirklichung. So wirst du frei, dich so zu entwickeln, wie es deinem Potenzial entspricht. Automatisch wirst du dann immer mehr in einer guten Stimmung sein, da du dich immer seltener mit alten Geschichten rumärgern musst, die dir nur Steine in den Weg legen. Du hast mehr Zeit für die Dinge die dich wirklich bereichern.
Lebe kein „High Vibe Life“ – sondern echtes Leben.
Fällt es dir schwer mit deinen Emotionen umzugehen? Sie hindern dich ständig daran deinen eigenen Weg zu gehen? Melde dich gerne bei mir, wenn du Unterstützung brauchst.
Ich freue mich auf dich


ÜBER MICH: Meine Mission ist es Menschen zu helfen ihr volles Potenzial auszuleben. In meinen Workshops und meinem Coaching unterstütze ich Menschen dabei, ihr Potenzial zu entfalten und ihre Lebensmission wiederzuentdecken. Hierfür nutze ich verschiedene Techniken wie Talentkompass und Human Design genauso wie neuropsychologisches Coaching und kreative Prozesse. Ausdruck und inneres Wachstum stehen dabei im Mittelpunkt. Ich arbeite sowohl Online, als auch in meiner Praxis in Büllingen, Ostbelgien.

