Sicher – aber nie ruhig? Wie du innerlich ankommst
Dieser Artikel ist Teil der Serie: „Die echten Bedürfnisse & das große Missverständnis“.
In dieser 9-teiligen Serie erfährst du, was du wirklich brauchst – und warum viele Dinge, denen wir hinterherlaufen, gar keine echten Bedürfnisse sind.
Im ersten Teil „Du bist genug – warum viele ‚Bedürfnisse‘ gar keine sind“ haben wir uns angeschaut, wie unser innerer Mangel oft auf Wunschverwechslungen beruht.
Heute gehen wir einen Schritt tiefer – zu einem der stillsten und gleichzeitig wichtigsten Grundbedürfnisse überhaupt: Sicherheit.
Denn obwohl wir in der westlichen Welt oft objektiv sicher sind – mit Wohnung, Nahrung und medizinischer Versorgung – fühlen wir uns innerlich bedroht, gestresst, getrieben.
Warum ist das so?
In diesem Artikel erfährst du,
- wie dein Nervensystem auf gefühlte Gefahr reagiert
- warum Stress nicht immer realen Ursachen folgt
- und wie du wieder in einen Zustand innerer Sicherheit und Ruhe findest – ganz ohne äußere Veränderung.
Wenn du spürst, dass dein Alltag oft lauter ist als dein Inneres, dann könnte dieser Text ein stiller Wendepunkt für dich sein.
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Warum wir glauben, nicht sicher zu sein
Die meisten von uns haben ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, fließend Wasser, medizinische Versorgung. In vielen Regionen der Erde herrscht Frieden. Ja, es gibt auch Kriege und auch Kriege “in der Nähe” aber sie sind, was unsere aktuelle Sicherheit betrifft, trotzdem weit weg.
Es gibt auch Verbrechen, doch ist die Kriminalitätsrate in den letzten Jahren eher gesunken als gestiegen, auch wenn man dies glauben mag, wenn man zu viel Social Media, Fernsehen oder Zeitungen liest/hört.
Und trotzdem fühlen wir uns oft angespannt, bedroht, innerlich getrieben.
Wir erleben Stress, obwohl unser Überleben nicht in Gefahr ist.
Wir planen, kontrollieren, optimieren – aus einer Angst, die selten bewusst ist.
Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen tatsächlicher Bedrohung und emotionaler Unsicherheit.
Es reagiert auf gefühlte Gefahr – und die kann genauso gut aus einem Blick, einem Wort oder einer unbeantworteten Nachricht entstehen.
Dazu kann unser Gehirn nicht zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden, das heißt, es nimmt alles für bare Münze, was du z.B. in Serien siehst oder in Videospielen erlebst.
Das Nervensystem sucht Sicherheit – nicht Logik
Unser Reptiliengehirn hat sich seit der Steinzeit kaum weiterentwickelt, weil es gut und effektiv war, wie es ist. Für unser Überleben, Bedürfnisbefriedigung und schnelle Reaktionen ist es einmalig.
In der Steinzeit war es sinnvoll, den Säbelzahntiger früh zu erkennen.
Heute triggert uns ein voller Terminkalender, der Kontostand oder die Meinung anderer.
Das Ergebnis ist, dass unser Körper glaubt: „Ich bin nicht sicher.“
Und so aktiviert er das, was früher Leben gerettet hat: Flucht, Angriff oder Erstarrung.
Doch was, wenn gar keine reale Gefahr da ist?
Dann geraten wir trotzdem in den Flucht-, Angriffs- oder Erstarrungsmodus …
Und nennen das: Alltag. Leider lässt unser kognitives Vermögen in diesem Notmodus nach. Es fällt uns in dem Moment schwer, rationale Entscheidungen zu treffen.
Was Sicherheit wirklich ist
Du sagst jetzt vielleicht: “Nee, ich bin nicht in Sicherheit, es gibt doch überall Verbrechen und Kriege.“
Doch bedenke:
Sicherheit ist nicht das Ende aller Risiken.
Sicherheit ist das Gefühl, dass du mit dem, was ist, klarkommen wirst.
Und dafür ist es besser, mit dem Großhirn, mit dem Verstand zu überlegen, als mit dem Reptiliengehirn, dessen Handlungsfähigkeit ja sehr eingeschränkt ist.
Das Gefühl von Sicherheit ist das stille Wissen:
„Ich darf sein. Ich bin gehalten. Ich habe Einfluss auf mein Leben – auch wenn ich nicht alles kontrollieren kann.“
Der Autor Bodo Delez zählt Sicherheit zu den sieben echten „Brauchens“.
Ohne sie kann kein System entspannen, kein Mensch vertrauen, keine Seele sich entfalten.
Das sagt die Neurowissenschaft
In der modernen Neurowissenschaft ist klar, dass das Reptiliengehirn sehr einfach gestrickt ist und sich entweder sicher fühlt, gut genährt, anerkannt, oder halt nicht, und dann geht es in den Kampfmodus.
Doch im Kampfmodus kannst du dich nicht entspannen, deine Sicherheit steht ja auf dem Spiel. Du kannst dich nicht entspannen, wenn ein Säbelzahntiger auf deiner Terrasse sitzt.
Da das Reptiliengehirn viele Situationen als Gefahr einschätzt, die in unserer modernen Welt Alltagsherausforderungen sind, wie To-do-Listen und nervige Kollegen, ist es wichtig, dass wir im inneren Dialog das Reptiliengehirn immer wieder darauf hinweisen, dass alles im grünen Bereich ist.

Siehe den ersten Artikel dieser Reihe: “Was wir wirklich brauchen – und warum es fast niemand merkt“.
In der westlichen Welt ist objektive Sicherheit für viele längst erfüllt. Es fehlt uns nicht an Schutz – es fehlt an innerer Wahrnehmung dieser Sicherheit. Wir lassen uns durch zu viele Faktoren aus dem Gefühl der Sicherheit raus bringen und geraten in Stress.
Warum du vielleicht längst sicher bist
dich warmhalten kannst
Hilfe holen könntest, wenn du krank wärst,
niemand dich akut bedroht
… dann bist du objektiv sicher.
Du siehst, was fehlt, ist oft nicht Sicherheit – sondern Ruhe.
Der Raum, in dem dein System merkt:
„Ich darf mich entspannen. Ich bin angekommen.“
Natürlich gibt es auch Situationen, wo diese Sicherheit (kurzfristig) bedroht ist. Doch dann ist es besser, überlegt zu handeln, als zu kämpfen, zu flüchten oder sich totzustellen.
Ruhe entsteht, wenn du nicht mehr suchst
Ruhe ist kein Wellnessprogramm. Sie hat nichts mit Meditation oder Me-Time zu tun.
Ruhe ist ein Zustand der Erlaubnis aus dem Gefühl der Sicherheit.
Sie entsteht nicht, wenn „alles geschafft“ ist, sondern wenn du nicht mehr kämpfen musst, um sicher zu sein.
Denn vielleicht brauchst du gerade nicht:
- mehr Struktur
- mehr Disziplin
- mehr Effizienz
Vielleicht brauchst du nur das Wissen:
Du bist sicher. Jetzt. Hier.
Du darfst entspannen.
Und mit diesem Gefühl gehst du dein Tagewerk an. Reagierst auf die (unerwarteten) Situationen, die kommen, ganz aus der Gelassenheit, dass du darauf angemessen reagieren kannst, und in dem Wissen, dass Fehler machen zum Leben dazugehört und dies keine Katastrophe ist.

Mini-Übung: Sicherheitscheck für dein Nervensystem
Setz dich einen Moment hin. Spür deinen Körper und stell dir folgende Frage:
- Bin ich jetzt gerade in Gefahr?
- Gibt es etwas, das mein Überleben in diesem Moment wirklich bedroht?
- Habe ich genug zu essen?
- Kann ich heute Abend irgendwo schlafen?
- Gibt es einen Menschen, der für mich da wäre, wenn ich ihn brauche?
Und dann:
Atme durch und lass dein System die Antworten spüren.
Aus Kampf wird Frieden – wenn du dich erinnerst
Erlebe mit diesem Gefühl mal bewusst einen normalen Tag. Sobald du in Hektik gerätst, trete einen Schritt zurück und frage dich, ob du gerade in einer reellen Gefahr bist. Dabei kannst du dir gerne sagen:
Ich muss nicht erst etwas erreichen, um mich sicher zu fühlen.
Ich darf mich jetzt hinein lehnen – in das Leben, das mich trägt.
Und dann fühle nach einiger Zeit mal in dein System rein. Bei mir hat dieses Wissen sehr viel Ruhe in mein Leben gebracht. Manchmal kommt der alte Stress nochmal durch, doch sobald ich es merke, weiß ich ja, was ich machen kann.
Ausblick auf Teil 3: Geborgenheit & Zugehörigkeit
Im nächsten Artikel geht es um ein tief verwobenes Bedürfnis: das Gefühl, wirklich dazuzugehören und sich geborgen zu fühlen.
Nicht nur äußerlich, sondern innerlich angekommen zu sein.
Wir entdecken gemeinsam, wie Verbundenheit entsteht und dass wir diese meist nicht erst „verdienen“ müssen.
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Alle bisher erschienenen Artikel dieser Serie:
Dieser Artikel ist Teil der Serie: „Die echten Grundbedürfnisse & das große Missverständnis„
Alle diese Artikel werfen einen anderen Blick auf unsere Grundbedürfnisse und das, was wir meinen unbedingt zum Leben zu brauchen.
Lies deshalb gerne hier direkt weiter:
- Du bist genug – Warum viele ‚Bedürfnisse‘ gar keine sind
- Sicher – aber nie ruhig? Wie du innerlich ankommst (dieser Artikel)
- Geborgenheit & Zugehörigkeit – Warum tiefe Verbundenheit kein romantisches Ideal ist
- Du bist nicht hier, um gemocht zu werden – Anerkennung vs. Rang
- Warum Freiheit kein Ego-Trip ist, sondern ein echter Ruf deiner Seele
- Wie du aufhörst, zu zweifeln – und beginnst, zu wirken
→ Teil 7 erscheint in Kürze.

ÜBER MICH: Meine Mission ist es Menschen zu helfen ihr volles Potenzial auszuleben. In meinen Workshops und meinem Coaching unterstütze ich Menschen dabei, ihr Potenzial zu entfalten und ihre Lebensmission wiederzuentdecken. Hierfür nutze ich verschiedene Techniken wie Talentkompass und Human Design genauso wie neuropsychologisches Coaching und kreative Prozesse. Ausdruck und inneres Wachstum stehen dabei im Mittelpunkt. Ich arbeite sowohl Online, als auch in meiner Praxis in Büllingen, Ostbelgien.
Mehr über mich erfährst du hier.

Liebe Stephanie,
ich habe gerade eine Sportstunde gegeben, (Faszienstretch). Und als Ansage am Anfang gebe ich den Teilnehmenden immer mit, dass sie hier nichts „können“ oder „schaffen“ müssen. Dass sie sicher sind. Unser Körper hat ja sogar Angst, einen Muskel loszulassen, weil er irgendwann eine schlechte Erfahrung damit gemacht hat. Kommen die Leute aber in ein Gefühl von Sicherheit und Angekommensein, dann geht es plötzlich. Ich werde da ein paar Punkte aus deinem Artikel das nächste Mal mit einbringen.
Danke für den Impuls.
Liebe Grüße
Susan
Danke Susan für deinen Beitrag. Interessanter Gedanke. In der Tat schlägt uns dieses Sicherheitsbedürfnis total auf den Körper. Muskeln und Organe reagieren und verkrampfen sich lieber anstatt loszulassen.
Schön, dass wir uns gegenseitig bereichern können.
Liebe Grüße
Stephanie
Liebe Stephanie,
Diesen Satz finde ich total schön und er hat mich sofort gecatcht: „Sicherheit ist nicht das Ende aller Risiken. Sicherheit ist das Gefühl, dass du mit dem, was ist, klarkommen wirst.“ Der hat mich sofort in meiner Seele berührt und mir sowohl Sicherheit als auch Ruhe gebracht.
Die Unterscheidung zwischen Ruhe und Sicherheit finde ich sehr inspirierend.
Sehr schöner Artikel, kurz und knackig und tief. Und auch noch mit einer sehr schönen und hilfreichen Übung. Danke dir dafür
Vielen Dank liebe Hilkea für deine Rückmeldung🥰