Die Wahrheit über den Onlinekurs-Trend im (Live-) Coaching

Es fällt auf, dass immer mehr Live-Coaches, aber auch Business-Coaches Onlinekurse anbieten. In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen: „Was steckt hinter dem Trend, Coaching nur noch über Onlinekurse zu geben?“

Viele Coaches und Trainer:innen steigen aktuell auf Onlinekurse um. Sie versprechen sich damit eine bessere Skalierbarkeit, mehr Zeit und ein passives Einkommen. (Skalierbarkeit bedeutet, dass man das Einkommen langfristig planen und sichern kann.)

Ein Onlinekurs muss einmal erstellt werden und danach kann man ihn unbegrenzt verkaufen, solange man eine passende Internetplattform dafür hat. Einmal erstellt, braucht man nur noch Zeit ins Marketing zu investieren und hat so mehr Zeit zur Verfügung, als wenn man Sessions mit den Kunden durchführt.

Außerdem ist die Erstellung mit Hilfe von KI kinderleicht geworden. Schon mit einfachen Anweisungen/Prompts erhält man komplette Coachingkurse, inklusive Übungen. Mit ein bisschen Fachwissen kann man das dann noch verfeinern. Ich habe es selbst probiert und es ist wirklich easy.

Der Hype – und warum er so verführerisch wirkt

Es ist nicht so leicht, regelmäßig genug Kunden zu finden, damit man mit Coachingsessions alleine reich wird. Außerdem ist die Zeit ja begrenzt, und um gute Arbeit zu leisten und sich wirklich auf seine Kunden zu fokussieren, kann man auch nur mit einer bestimmten Anzahl Kunden pro Woche arbeiten, sonst brennt man aus.

So gibt es entweder die Möglichkeit, die Preise anzuheben, oder Kurse anzubieten, wodurch wieder mehr Freizeit entsteht.

Warum Onlinekurse so beliebt sind

Ich möchte hier mal die Vorteile von Coaching mittels Onlinekursen beleuchten. Denn auf den ersten Blick gibt es durchaus große Vorteile.

  • Größere Reichweite, mehr Teilnehmer:innen

Der Kurs wird einmal erstellt und kann danach x-mal verkauft werden. Dadurch kann eine größere Anzahl Teilnehmer den Kurs machen und von den Inhalten profitieren.

  • strukturierte Inhalte, zeit- und ortsunabhängiges Lernen

Onlinekurse haben den Vorteil, dass der Lernende sich dann an den Kurs setzen kann, wann es ihm gerade passt. Egal, wo er ist, Hauptsache, er hat Internet. Gleichzeitig werden die Inhalte strukturiert angeboten, was beim Lernen unterstützen kann.

  • Geringerer Aufwand im Vergleich zu 1:1-Begleitung

Für den Coach ist der Aufwand deutlich geringer als bei einer 1:1-Begleitung. Auch für den Kunden kann der Aufwand kleiner sein. Sollte das Coaching vor Ort stattfinden, muss er zum Ort des Coachs fahren, Ansonsten muss er sich an feste Termine halten, die eventuell auch schon mal länger dauern können, falls viel zu besprechen ist.

Vor dem Rechner im Onlinekurs

Was bei Coaching-Onlinekursen oft verschwiegen wird

Ich möchte hier aber besonders auf die Schattenseiten eingehen. Denn es hat lange nicht nur Vorteile, wenn Coaching zur Massenware wird.

Oft wird Onlinekursen im Coachingbereich fehlende Tiefe und Resonanz vorgeworfen. Der Kurs wurde zugeschnitten auf eine bestimmte Fragestellung. Das kann durchaus in die Tiefe gehen, doch es fehlt meistens die persönliche Tiefe, die ausgerichtet ist auf die Person, die den Kurs macht. So ist es auch schwer, den Kurs so aufzubauen, dass der Kunde eine Resonanz mit sich selbst fühlt und sich als Person abgeholt fühlt.

In den Coaching-Onlinekursen ist kein Raum für individuelle Prozesse, Emotionen oder Intuition. Jeder Mensch ist anders und hat andere Herausforderungen auf seinem Weg zu überwinden. Selbst wenn sich dieser Weg ähnelt, ist er doch nie gleich. Lassen wir übertreiben: Während des Coachings stirbt die Schwiegermutter. Im Onlinekurs geht niemand auf die damit zusammenhängenden Herausforderungen ein. In einem guten Coaching wird zumindest kurz auf die Themen eingegangen, die hiermit zusammenhängen.

Viele Kurse wirken wie „Coaching von der Stange“. Die Kurse sind zwar im Prinzip auf eine bestimmte Kundengruppe mit bestimmten Problemen zugeschnitten, doch kennst du jemanden, der genau dieselbe Lebenssituation, die gleiche Geschichte und genau dieselben Probleme hat wie du? Ich nicht. Deshalb greifen die Kurse für echte, dauerhafte Transformation meist viel zu kurz.

Zusätzlich ist es so, dass die Abbruchrate bei Coachings über Onlinekurse deutlich höher ist, als bei 1-zu-1-Begleitungen. Denn ein guter Coach wird seinem Kunden zur Seite stehen, wenn es mal nicht so gut läuft. Er ist da und bietet Unterstützung, um die Blockaden im Alltag zu überwinden, die bei jedem Veränderungsprozess auftauchen.

Ich bin zum Beispiel mit meinen Kunden auch zwischen den Sessions im Austausch und die Kunden wissen, dass sie sich melden dürfen, wenn Probleme auftauchen.

Warum Onlinekurse im Coaching für echte Transformation oft nicht reichen

Coaching braucht mehr als Input, es braucht Beziehung. Es geht ja nicht um einen Nähkurs oder Kochkurs. Und selbst da spielt die Beziehung zur Dozentin eine wichtige Rolle. Kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern? Da hattest du doch bestimmt auch Fächer, die du nicht mochtest und wo du oft auch schlecht drin warst, weil du den Lehrer nicht ausstehen konntest.

Echte Transformation entsteht durch Präsenz, Spiegelung und echtes Gesehenwerden. Im Coaching ist es wichtig, dass der Coach hinter die Fassade guckt. Denn jeder hat blinde Flecken, Themen in seinem Verhalten, die er ausblendet, die er gar nicht selbst wahrnimmt. Da hilft nur der liebevolle Blick von außen. Außerdem ist es wichtig, dass der Kunde darauf aufmerksam gemacht wird, wo er sich im Kreis dreht, damit er einen Weg in Richtung echter Veränderung einschlagen kann.

In meinem Bereich ist es außerdem wichtig, dass ich als Coach sehe, welches Potenzial in meinem Kunden schlummert, um es zum Leben zu erwecken. Das geht nur, wenn ich echten Kontakt mit dem Kunden habe.

Ein guter Coach spiegelt seinen Kunden und zeigt ihm, wie er wirkt, was seine Handlungsautomatismen sind und über welche Hürden er immer wieder stolpert.

Emotionale Prozesse und Seelenarbeit lassen sich nicht automatisieren, denn aus den oben genannten Gründen wird jeder gerne in seiner Komfortzone bleiben. Außerdem sind Veränderungsprozesse zwar immer ähnlich und doch so einzigartig wie jeder einzelne Mensch.

Menschen suchen immer nach Verbindung und nicht nur nach Informationen. Denn mit Verbindung wird vieles leichter. Alte Verhaltensmuster zu verändern, braucht sehr viel Mut. Darum ist es wichtig, dass der Kunde jemanden an seiner Seite hat, der ihn emotional hält, der ihn auffängt und der ihm zur Seite steht, wenn die Hindernisse gefühlt zu groß werden. Und das geht weit über motivieren hinaus.

Wann Onlinekurse trotzdem Sinn machen können

Für das rein praktische Erlernen von Fähigkeiten oder Wissen sind Onlinekurse praktisch, wobei man dann natürlich selbst die Disziplin haben muss, sich immer wieder dranzusetzen. Das ist anders als ein fester Termin, der jeden Mittwochabend im Kalender steht.

Onlinekurse im Coaching können als Einstieg oder Inspiration Sinn machen, oder um sich mit dem Thema vertraut zu machen. Sie können praktisch sein als Ergänzung zu 1:1-Arbeit. Hier könnten zum Beispiel die einzelnen Übungen/Hausaufgaben angeboten werden. Für mich ist aber wichtig, dass das Programm flexibel ist. So kommt es bei mir öfter vor, dass beispielsweise Thema 3 kurzfristig vor Thema 2 behandelt wird, da es so im Coachingprozess logischer ist.

Auf diese Art können Onlinekurse auch durchaus mit Herz und Authentizität verbunden sein. Dann „ersetzt“ der Kurs nicht alles, sondern er begleitet gezielt den Transformationsprozess.

Mein persönlicher Blick als Coach auf Onlinekurse im Live-Coaching

Für mich ist Transformation ein Prozess, der Körper, Seele und Geist mit einbezieht. Ist dies nicht der Fall, ist die Gefahr sehr groß, dass nach einigen Wochen oder Monaten alles wieder beim Alten ist. Vielleicht, wenn es hochkommt, mit einem kleinen Schritt nach vorne. Die Echternacher Springprozession lässt grüßen.

Deshalb ist Transformation auch etwas, das ganz individuell auf den einzelnen Kunden zugeschnitten werden sollte. Ich gehe intuitiv auf die Fragen des einzelnen Kunden ein und erarbeite mit ihnen gemeinsam individuelle kreative Lösungswege. So sind nachhaltige Transformationen möglich.

Darum stehen Präsenz und echte Verbindung in meiner Arbeit zentral. Denn ohne diese kann ich mich nicht individuell auf die Fragestellung meiner Kunden einlassen.

Letztendlich bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, ob er lieber einen Kurs machen möchte oder echte Begleitung wählt. Auch ist es jedem Coach überlassen, wie er sein Angebot verkaufen möchte. Meine Wahl steht fest: Für mich ist Qualität wichtiger als Quantität und ich möchte in meinen Coachings die Möglichkeit für tiefgehende, nachhaltige Veränderung ermöglichen.

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3 Kommentare

  1. Deine pragmatische Perspektive teile ich. Diese Kurse „wirken wie von der Stange“, weil sie von der Stange sind. Und wie du sagst, das hat auch Anwendungsbereiche. Aber ich glaube, das Zauberwort stand weiter oben: Reich. Wenn ich eine Tätigkeit ausübe und mir durch den Social-Media-Hochglanz habe einreden lassen, dass ich damit reich werden kann, starte ich von vorneherein mit einem Problem.
    Es spricht ja nichts gegen finanzielle Sicherheit oder einen gewissen Wohlstand. Und gleichzeitig ist meine persönliche Motivation für das, was ich mache, dass ich es gerne mache und dass ich es daher auch sp gut wie möglich mache und dass ich damit etwas bewirken kann. Vielleicht bin ich da auch in einer Minderheit, aber Reichtum ist nicht mein Ziel.
    Jedenfalls freut es mich, dass es da draußen Menschen wie dich gibt 🙂
    Liebe Grüße
    Angela

    1. Liebe Angela,

      danke für deine Rückmeldung. Ich finde es viel wichtiger, dass man seine Berufung lebt. Da ich gerne mit Menschen arbeite, verfehle ich meine Berufung, wenn ich die alle in Onlinekurse schleusen würde. Dann würde ich zwar Geld verdienen, hätte aber keinen Kontakt.
      Liebe Grüße
      Stephanie

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